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Roverdrive 2 / 2005
Aufruf zum Eintrag in das P5 - Register
Presse
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Roverdrive
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Darüber wissen wir zu wenig!
 
Rover P5
 
„Papa, was ist denn das für ein Auto?“, fragt der kleine Fritz seinen Vater. „Sieh mal, was der für Scheinwerfer hat, vier Stück, und einen Riesenkühler. Das ist bestimmt ein Rolls- Royce. Kannst du nicht deinen Mercedes verkaufen und den hier nehmen? Groß genug ist der auch.“ „Nein“, sagt der Vater, „das ist ein Rover - und viel zu teuer.“ „Aber wenn ich mal groß bin, möchte ich so einen haben.“
 
Diese Geschichte ist natürlich frei erfunden und kann sich so gar nicht zugetragen haben. Sie hätte sich um 1970 abspielen müssen, und der Kenner weiß, daß schon ihre Grundkonstellation nicht stimmen kann. Allenfalls hatte eine Firma wie Auto Becker in Düsseldorf mal einen solchen Rover in ihren Hallen stehen; im übrigen Deutschland war das kaum wahrscheinlich (nicht wahr, Herr Bernauer?).
 
Als ich angefangen hatte, mich etwas intensiver mit der Historie meines Fahrzeugs zu beschäftigen, weil mir der erste Kfz-Brief und damit die ersten fünf Jahre fehlen, ist mir bewußt geworden, daß es praktisch niemanden in Deutschland gibt, der verläßliche Kenntnisse über die Rolle des P5 in den sechziger und frühen siebziger Jahren hat. Wir wissen zwar so gut wie alles über den P6 (dank Herrn Wicke), aber wenig bis nichts über den „großen Bruder“.
 
Also habe ich das getan, was ich in solchen Fällen immer tue, nämlich mich etwas intensiver mit der Literatur in meinem Keller zu beschäftigen. Und da ergibt sich nun folgendes Bild:
Der P5 ist vom MK I an in Deutschland tatsächlich regulär angeboten worden. Meine älteste deutsche Preisliste stammt vom September 1961 und weist für den „Rover 3 Litre“ (es ist wohl der MK IA) einen Preis von DM 19.960,00 aus; daneben hat jemand handschriftlich DM 17.980,00 eingetragen. Wer von uns die Zeit damals schon bewußt miterlebt hat, wird sich erinnern, wo die normalen Einkommenshöhen lagen und wieviele Jahresgehälter zum Kauf eines P5 aufgewendet werden mußten. Die Preissenkung sollte wohl den Verkauf ankurbeln. Vier Importeure gab es damals: Krim am Gänsemarkt in Hamburg, Walter Hagen in Krefeld, Deppert in der Friesstraße in Frankfurt und Graf Deym am Odeonsplatz in München - Namen, die keiner mehr kennt. Auch gab es schon deutschsprachige Prospekte. Folglich wird es auch Verkäufe gegeben haben, die aber offenbar nirgendwo archiviert worden sind. Bei Rover Deutschland wurde man jedenfalls nicht fündig. Zwar gab es keine deutschsprachige Werkstattliteratur, aber immerhin finden sich zahlreiche Hinweise in den offiziellen „Service-Informationen“ für die deutschen, Schweizer und österreichischen Händler. Zieht man außerdem noch die P5-Bibel von James Taylor heran, dann war die Zahl der gebauten Linkslenker gar nicht so gering - und die kamen ja vornehmlich als Importfahrzeuge für uns in Betracht.
 
Aber viel verkaufen konnten die Händler offenbar nicht; das zeigt ein Blick in alte Schwacke-Listen aus jener Zeit, in denen der P5 als Gebrauchtwagen nicht auftaucht. Die letzte deutsche Preisliste, die den P5B als „MK IV“ vermerkt, stammt vom Januar 1969. Danach findet sich nichts mehr. Soweit die Literatur.
 
Diese Situation hat nun mein Interesse geweckt, ein wenig Licht in dieses Dunkel zu tragen. Soweit mir bekannt ist, gibt es heute überhaupt nur wenige Sechszylinder-P5 in Deutschland. Vor Jahren tauchte mal ein rechtsgelenkter Automatic-MK I (schwarz, innen rot) auf, der aber klar ein England-Import war. Wo sich der Wagen heute befindet, weiß ich nicht sicher. Daneben sind mir zwei MK IA bekannt - einmal Schalter/OD, einmal Automatic - von denen einer aus der Schweiz stammt. Auch die MK II sind nicht häufig und die MK III extrem rar. In den neunziger Jahren kannte ich ein linksgelenktes MK III Coupé mit Schaltgetriebe - davon waren überhaupt nur 87 Exemplare gebaut worden. Da ist die Zahl der P5B natürlich ungleich höher, aber wenn man die Rechtslenker abzieht, bleiben auch hier nicht viele Exemplare übrig.
 
Und diese Gruppe der linksgelenkten P5B finde ich besonders interessant. Sie ist sehr überschaubar und hat mit der kleinen Geschichte am Anfang zu tun. Wer damals einen P5B haben wollte, der mußte das Auto bereits von irgendwoher kennen. Beim Händler: Fehlanzeige. Prospekte? Bekam man praktisch nicht. Also mußte der Interessent den Wagen schon einmal im Ausland gesehen haben, in der Schweiz, in Österreich oder in England selbst. Und nicht nur der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky hatte als Dienstwagen einen P5, sondern auch die englischen Premierminister Harold Wilson, James Callaghan oder Margaret Thatcher. In Deutschland werden die ersten Besitzer wohl auch überwiegend Firmen gewesen sein, die sich das ebenso teure wie eher unauffällige Auto als Geschäftsleitungswagen leisteten, was bei einem Preisunterschied von rund DM 10.000,00 zugunsten etwa eines Mercedes 280 schon bemerkenswert ist. So gehörte das Auto, das genau eine Fahrgestellnummer älter ist als meins, zuerst der Deutschen Philips in Hamburg. Nach dem Zusammenfügen vieler Indizien wie bei einem Puzzle weiß ich inzwischen, daß meinen Wagen einer nicht mehr existenten Stahlbaufirma in Oberhausen als Cheffahrzeug gedient hat.
 
Besonders unterhaltsam ist aber die Geschichte eines P5BSaloons, von dem ich nicht weiß, ob er noch lebt. 1979 erschien im Düsseldorfer Econ-Verlag die deutsche Übersetzung von Graham Robsons „Rover Story“, kein wirklich aufregendes Buch, aber kurios fand ich diese Publikation schon. Erst Jahre später erfuhr ich, daß der Econ-Verleger selbst vorher einen P5B hatte. Ein alter Bekannter von mir, der um 1970 bei der Fa. Brüggemann in Düsseldorf als Kundendienst-Ingenieur gearbeitet hatte, konnte sich noch an Wartung und Reparaturen dieses Fahrzeugs erinnern. Aber wo ist es abgeblieben?
 
Dies alles hat bei mir den Plan reifen lassen, so etwas wie ein P5-Register zusammenzustellen. Natürlich weiß ich, daß ich damit nie an die Perfektion und den Umfang der Wickeschen Datenbank für den P6 heranreichen werde. Aber z.Zt. gibt es in dieser Richtung eben überhaupt nichts. Und deshalb möchte ich alle einschlägig interessierten Clubmitglieder aufrufen, mit Kenntnissen und Informationen, die sie haben, etwas zum Register beizutragen.
 
1. Wer einen oder mehrere P5 hat (gleich, welches Modell; auch Teileträger), den bitte ich um die Fahrgestellnummer, die Außen- und Innenfarbe, Ausstattungsmerkmale wie Einzelsitze, Kopfstützen vorn und hinten, Schiebedach, Hängerkupplung.
 
2. Wer einmal einen P5 besessen hat, der verfügt vielleicht noch über Unterlagen wie Kfz-Briefkopie, Kaufvertrag o.ä., aus denen sich die Fahrgestellnummer entnehmen läßt, und weiß vielleicht auch noch etwas über die Farbe etc.
 
3. Besitzer anderer Rover-Modelle, die natürlich einen Blick für Fahrzeuge dieser Marke haben, wissen vielleicht noch von irgendwelchen P5 in ihrer Nachbarschaft, die möglicherweise schon länger nicht mehr gefahren werden und auf bessere Tage warten. Da kommen manchmal ganz individuelle und wundersame Geschichten zutage.
 
Alles, was also irgendwie dem geschilderten Zweck dient, ist mir sehr willkommen. Im übrigen habe ich nicht die Absicht, irgendwelche Details zu veröffentlichen, sondern allenfalls statistische Daten und Zusammenfassungen. Den Wunsch nach Anonymität oder Diskretion werde ich gern befolgen. Andererseits gibt es immer wieder einmal Anfragen von Interessenten zu bestimmten Modellen der P5-Reihe, die weniger mit technischen Einzelheiten, Reparatur, Teilen oder Restaurierungen zu tun haben (da könnte dann auch sicherlich eher Herrn Luck Auskunft geben), als vielmehr mit vielfältigen historischen Details zur Modellgeschichte, zu Originalfarben etc. Zu solchen Dingen etwas sagen zu können, würde die Kompetenz des Clubs sicherlich erhöhen.
 
Bitte verwenden Sie möglichst E Mail (lektorat@siebertverlag.de), Fax (0511/952 5630) oder Post (Döhrbruch 27, 30559 Hannover).
 
Autor: J. Siebert
 
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