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Roverdrive 2 / 2004
Die Ersteigerung eines P5B Coupé im Internet
Presse
Div. Artikel

Roverdrive
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P5B Coupé im Internet ersteigert - Erfahrungen eines frischgebackenen P5 owners
 
Eine ebay-Auktion: "Rover P5B Coupé. Gebraucht. Erstzulassung 1968. MOT (englischer TÜV) für 7 Monate. ... This is a very reliable Gentlemanīs Carriage which has just completed a tour of France. Mechanically A1, interior good and clean, but used. The car does need new door seals, but I have not got around to them yet." Mein Bruder bietet für mich mit, und plötzlich bin ich unerwartet ungläubiger Besitzer eines Oldtimers. Für 2.600 Britische Pfund (ca. 3.700,00 €) ersteigert. Selbstabholung in Rochdale (England), in der Nähe von Manchester. So weit, so gut.
 
Eilig organisiere ich die Reise von Düsseldorf nach Manchester: Transfer zum Bahnhof, Bahnfahrt nach Dortmund, Flug nach Luton, Bahnfahrt über Bedford und Sheffield nach Manchester, wo der Verkäufer mich abzuholen verspricht. Alle Verbindungen klappen, alle Anschlüsse sind pünktlich. Sogar die englischen Züge (notorisch verspätet) zeigen sich von ihrer besten Seite. Am Bahnhof in Manchester holt mich der Verkäufer ab. Er war ehemals als Soldat in Mönchengladbach bei der Rhine-Army stationiert (Rang unbekannt). Leider fährt er nicht in dem Rover am Bahnhof vor, wie ich mir ausgemalt habe, sondern in seinem Hyundai: "More practical, you see, and then the traffic - didnīt want to wreck the Rover". Verständlich. Dann 20 Minuten von Manchester bis Rochdale: Wie war die Reise? Wie ist das Wetter in Deutschland? Waren alle Züge pünktlich? So weit verstehe ich den Ex-Army-Mann noch, doch dann folgt sein groß angelegter Monolog ("itīs time to talk about the car"), angefüllt mit Erklärungen in einem für mich schier unverständlichen Manchester-Akzent über den Wagen, den ich ersteigert habe. Anfänglich unterbreche ich seine originell soldatisch bellenden Staccato-Ausführungen noch durch interessierte oder zumindest höfliche Verständnisfragen. Bald gebe ich dies jedoch vorsorglich auf, denn es scheint sich herauszustellen, dass der Wagen doch nicht ganz in dem Zustand ist, in dem er beschrieben worden war. Eigenheiten des Wagens, kleine "tips and tricks", wenn mal dies oder das nicht funktionieren sollte, kleinere oder größere Reparaturen, bei denen das eine ausgeführt, das andere hingegen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und das meiste in Anbetracht des Aufwands gänzlich unterlassen worden war (und demnach noch ansteht): "Havenīt got around to it yet" - ein Satz, den ich denn doch häufiger identifizieren kann. Ehrlich gesagt: Ich will ja auch gar nicht alles verstehen ... .
 
In Rochdale angekommen, öffnet der Reserve-General das Tor zu der winzig kleinen Garage, in der ich zunächst nur das Heck des Rover ausmache, der in der Garage steckt wie ein englischer Gentleman in einem etwas spacken Tweed-Sacko. Er springt sofort an und schiebt brubbelnd sein Heck aus der Garage, bis er nach einem feierlich detailreichen Rangiermanöver in der engen Gasse schließlich ganz vor mir steht: mein Traum aus Kinder- und Schulzeit-Tagen! Mit den zierlichen roten Lämpchen vorne auf den Kotflügeln. Natürlich sehe ich die Bläschen im Lack, von denen nichts in der ebay- Beschreibung stand, doch ich bin gewillt, sie aus Gründen der Seelen-Hygiene zu ignorieren. Natürlich sehe ich die Reste von Lack-und Chrompolitur, mit denen überall der Zierrat in den Winkeln und Ecken verschmiert ist, und die von einer hastigen und leidenschaftslosen Herrichtung des Wagens zeugen. In meinem Kopf ist nur Platz für einen einzigen Gedanken: Silver Birch over Bordeaux Red! Und natürlich stelle ich fest, dass die Türen des Wagens leider doch nicht ganz so schließen wie die Türen an einem Tresor der Bank Of England, wie ich das überall gelesen habe. "She definitely does need new seals -", höre ich den Ex-Rheinarmisten beiläufig bellen, "but I havenīt got around to them yet."
 
Eine Probefahrt schließt sich an. Was heißt Probefahrt? Ich habe ihn ja schon längst genommen, so wie er ist, wie immer er auch sei. Es handelt sich bei dieser Probefahrt nur um eine lästige Formalität, die hinter mich zu bringen der konventionelle Fruchtbarkeitstanz zwischen Käufer und Verkäufer mir aufnötigt. Und ständig das Rapportieren des Ex-Infantriekommissars über kleinere oder größere Macken! Schließlich bleibt mein Blick an der schönen Uhr auf der Beifahrerseite haften - einfach ein kleiner Ruhepol, den mein Kopf sich ausgesucht hat, um nicht mehr hören zu müssen, was man alles tun solle, wenn dieses oder jenes nicht funktioniere. Der Ex- Kanonenoffizier scheint meinen Blick auf die Uhr falsch interpretiert zu haben: "Clock - doesnīt work!"
 
Zum ersten Mal in England, zum ersten Mal in meinem Traumwagen, zum ersten Mal ein rechtsgesteuertes Fahrzeug, zum ersten Mal im Linksverkehr, und die schwierigste Etappe noch vor mir - kritiklos, unerfahren und leicht panisch lasse ich die Probefahrt über mich ergehen. Man fährt doch schließlich nicht nach England mit dem Vorsatz, einen Wagen zu überführen, um dann ohne Auto zurückzureisen! Ein Preisnachlaß wäre vielleicht sogar möglich gewesen, doch auch das hätte ich irgendwie als nicht sehr sportlich empfunden - und abgesehen von meiner Unkenntnis hätte mir für Diskussionen und Preisverhandlungen mit dem Königlich- Britischen Panzermann wohl auch einfach die Kraft gefehlt. "Letīs go back", keuche ich widerstandslos nach 10-minütiger Fahrt. -"You take her then?", entfährt es dem Ex-Rheintruppenverweser beinahe ungläubig. - "Yes, Iīll take her."
 
Der Rest der Übergabe verläuft in einer (im Vergleich zu ähnlichen Formalitäten in Deutschland) erfrischend unbürokratischen Weise. Das V5-Document wird von beiden Seiten unterzeichnet und zerschnipselt, die Abschnitte werden zwischen mir und meinem Ex- Oberkriegsoffizier zu gleichen Teilen gerecht aufgeteilt. Ich erhalte zudem noch einen Satz älterer Ausgaben der Zeitschrift "Take Five" und eine schöne Rover-Mappe in weinrotem Leder. Und einen neuen Ölfilter und ein Teil aus Edelstahl, das weder ich, noch mein Ex- Generalschlachtrat einordnen können. Ich kann zu meiner Beruhigung die Reise sogar mit den englischen Kennzeichen und einem halbvollen Tank fortsetzen. Den angebotenen "drink" lehne ich dankend und schweren Herzens ab, obwohl ich schon einen hätte vertragen können. Der Ex-Fähnrichverhauer lotst mich dankenswerterweise mit seinem Wagen zur M62 und verabschiedet sich bequem salutierend und hupend in einem dieser englischen Kreisverkehre von mir. Gerne würde ich freundlich zurückhupen -doch die Hupe ist ohne Funktion. Nach den ersten Autobahnkilometern wundere ich mich etwas: Der Wagen wird überall vom Innenraumgeräusch her als extrem leise beschrieben, doch meiner ist nicht nur keinesfalls extrem leise, sondern sogar höllisch laut. Die fehlenden Türdichtungen lassen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass ich den P5B mit 60 Meilen pro Stunde auf einem vielbefahrenen Motorway bewege: Echtes Cabrio-feeling! Ein Loch im Endrohr der Auspuffanlage trägt sein übriges hierzu bei.
 
In dem dennoch beruhigenden Vorgefühl auf 160 Kilometer bis zur Fähre in Hull ganz brav auf der linken Seite lehne ich mich entspannt zurück und nehme mir vor, die Fahrt auf schöner Strecke in meinem schönen Wagen zu genießen. Endlich komme ich auch dazu, den unter dem Spiegel baumelnden gelben Duftbaum aus dem Wagen zu entfernen - er hat mich schon von Anfang an gestört, nur habe ich es nicht übers Herz gebracht, ihn gegenüber dem Ex-Oberschlachtassistenten zu monieren. Jetzt sind die mißbehaglichen Ausdünstungen dieses grotesken Autozubehörs jedoch im Begriff, mich zu zermürben. Ich entsorge ihn in einem unbeobachteten Augenblick irgendwo auf der M62 zwischen Leeds und Hull - und hoffe, dieser Landstrich wird sich davon wieder erholen. Bald darauf wird mir allerdings der Grund für seine Installierung durch den Ex-Panzervorsteher nur zu offenbar: Die penetrante Odorisierung des Innenraums sollte zweifellos meinem Geruchssinn fürsorglich darüber hinweghelfen, dass vor allem bei zügiger Fahrt Abgase in großer Menge und ohne Unterlaß in den Innenraum gelangen. Keine Spur von dem Duft polierten Holzes und dicken englischen Leders, auf den ich mich so sehr gefreut habe! Durch die fehlenden Türdichtungen entsteht beim Fahren im Innenraum eine Art Unterdruck, der die Abgase durch die vielen kleinen Kabelöffnungen unterhalb der Ablage kraftvoll nach innen saugt. Abhilfe suche ich mir zu verschaffen, indem ich das Fahrerfenster öffne, das allerdings sofort ganz nach unten rutscht und nur schwer, notdürftig und zeitweise wieder zu schließen ist. Bei dem Versuch, die Fensterkurbel auf der Beifahrerseite zu bewegen, stellt sich dort derselbe Effekt ein. Ich erstelle im Kopf eine Liste der Mängel, die mir bislang (und eher nebenher, sozusagen unter der Hand) selbst aufgefallen sind, und gebe mit lässiger Geste nach ungefähr 25 Punkten auf.
 
Es ist eine Fahrt durch wunderbar weichen englischen Regen bei Sonne! Wasser tropft allerdings in den Wagen wegen der fehlenden Türdichtungen. Die chromgefaßten Scheibenwischer verrichten jedoch zierlich und zuverlässig ihre Arbeit - ein Punkt, den ich gerne und nachdrücklich auf meiner recht überschaubaren Haben-Seite verbuche.
 
Die Streckenführung der M62 kommt mir sehr entgegen. Sie geht durch bis Hull, wird dort automatisch zur Landstraße, dann zur Hauptstraße von Hull und verläuft direkt zum Hafen und zum Pier der Fähre. Dort halte ich vor dem kleinen Abfertigungshäuschen mit der freundlichen englischen Lady darin. Um Einzelheiten meiner Reservie rung abzuklären, stelle ich den Motor ab: ein fataler Fehler! Als ich mein Ticket in Empfang nehme und den Wagen starten will, tut sich - nichts! In Gänze und vollumfänglich: nichts! Die Lady in dem Abfertigungshäuschen neigt diskret und verschwiegen ihr Antlitz auf meine Höhe: "This is not your car, is it?" - "Iīm afraid now it is." - "Well, good luck!" Sie telephoniert auf ihre beruhigend humorvolle Weise, und zwei Gentlemen des Fährbetriebs kommen mir lächelnd zu Hilfe, um den Wagen erst einmal beiseite zu schieben. Einer der beiden Herren setzt sich dann in den Wagen und bewegt den Wahlhebel der Automatik vor und zurück. So gelingt es ihm schließlich, den Wagen in der N-Stellung zu starten. Meine Begeisterung und Dankbarkeit sind auf einem Höhepunkt - zusammen mit einem Gefühl einer peinsamen Scham, ich gestehe es ohne Widerwillen.
 
Während des Wartens auf die Einschiffung habe ich Gelegenheit zu weiteren, nunmehr vorsichtig erkundenden Blicken über den Zustand der Inneneinrichtung. Das Leder ist mit dicken Pinselstrichen nachgefärbt worden. Die Rückenlehnen der Vordersitze lassen sich nicht mehr verstellen. Der Himmel ist extrem lichtrandig. Die Halterungen für die vorderen Kopfstützen mit den Leselämpchen verrichten offenbar in einem anderen Fahrzeug ihren Dienst. Hier ist etwas unsachgemäß geklebt, dort mit den falschen Schrauben verschraubt worden, an anderen Stellen fehlen Chromteile oder Schrauben ganz oder teilweise. "Muß alles nur mal ordentlich gereinigt werden", denke ich aufmunternd, wenn auch mit leise beginnendem Murren. Draußen herrscht stürmischer Wind. Im Wagen zieht es wie Hechtsuppe, wegen der fehlenden Türdichtungen.
 
Endlich wird die Fähre zur Beladung geöffnet. Souverän starte ich in der N-Stellung und werde gestenreich auf meinen Platz dirigiert, wo ich den Wagen für die Überfahrt abstelle. Aus dem Gefühl heraus, eine mehrstündige Pause nach einer bislang mehr als strapaziösen Reise vor mir zu haben, erlaube ich mir eine weitere, immer noch oberflächliche Inspektion meines Wagens: alle Reifen sind verschieden! Eine dunkle Vorahnung beschleicht mich: Ich sehe deutlich vor meinen Augen einen blau bekittelten TÜV-Prüfer mit hochgezogenen Augenbrauen bedächtig und entschieden den Kopf schütteln. (Eine Vorahnung, die sich schon bald bewahrheiten sollte.) Außerdem läßt der Wagen sich nicht abschließen: Beide Hintertüren, die Beifahrertüre und die Kofferraumklappe lassen sich problemlos von jedem und zu jeder Zeit (und zu jedem Zweck) von außen öffnen. Ich überschlage kurz, wie viele der zahlreichen losen Teile man wohl aus dem Wagen stehlen und wohin man damit auf der riesigen Fähre verschwinden könnte. Nicht gänzlich beruhigt, aber ergeben in mein Schicksal (und ohne wirkliche Alternative), lasse ich den Wagen unverschlossen stehen und begebe mich in mein Quartier. Auf einem Schiff, das so groß ist wie ein großes Mietshaus, bin ich untergebracht in einer Kabine von den Ausmaßen einer Katzen- Box. Einer für Katzen-Babies.
 
Das durchaus überschaubare und bereits in den Ansätzen eher kläglich anmutende Abendprogramm der wegelagerischen Fährbetreiber genieße ich zu gut einem Viertel mit drei großen Bieren und einem Sandwich zu einem Preis, der die Raststättenpreise in Deutschland mühelos um das Doppelte übersteigt.
 
In meiner sauberen Koje schlafe ich sofort ein und bekomme nicht viel mit von der vielköpfigen holländischen Jugendgruppe, die von einem England-Ausflug nach Holland übersetzt und lebenslustig und sinnenfroh die Nacht hindurch die Kabinen um mich herum bevölkert. Zwei- oder dreimal wache ich aber doch auf und denke mit dräuender Skepsis an das Starten des Wagens bei der bevorstehenden Ausschiffung am nächsten Tag.
 
Ich hätte mich lieber getäuscht, doch am nächsten Morgen ist die Batterie - natürlich - hinüber. Gestern in der Garage war der Wagen doch noch sofort angesprungen! Wahrscheinlich hatte der Ex-Oberkanonenwart oder seine bucklige Frau ihn vor meiner Ankunft längere Zeit warmlaufen lassen, denke ich finster. Nun stehen zahlreiche Wagen mit provokant hochdrehenden Motoren in der Reihe hinter mir, und vor mir winken eine Handvoll Reedereiangestellte eindringlich ermunternd zum Verlassen der Fähre. Der Anlasser orgelt noch ein wenig lustlos herum, bevor die Batterie gänzlich kapituliert. "People with a drinking problem just donīt like to get up in the morning", raune ich mir motivierend zu. Ich versuche, den hinter und vor mir Wartenden gegenüber durch joviales Kopfnicken den Eindruck zu erwecken, dies alles wäre völlig normal, und ich wüsste genau, was ich da gerade tue. Die freundlichen Angestellten der Fähre (in solchen Dingen wohl längst geübt) schieben meinen Wagen schließlich etwas beiseite, damit die hinter mir stehenden Wagen an mir vorbeimanövrieren können. Ich sehe lachende und kopfschüttelnde Gesichter in brandneuen Autos an mir vorbeiziehen. Nun: Wer bewundernde Blicke auszuhalten im Stande ist, muß eben auch mit etwas Häme fertig werden können. Man gibt mir freundlich Starthilfe.
 
Längst kenne ich den Grund, warum der Ex-Feuerwaffeninspektionskommandant mir gestern noch schnell gezeigt hat, dass sich die Batterie hinten im Kofferraum befindet. Ich hätte sie allerdings ohne diesen Tip unter den Augen zahlreicher Zeugen wohl wirklich vorne gesucht - und das recht lange! Meine Fahrt durch Holland geht erst einmal bis zur nächsten Tankstelle. Gelegenheit zu einer weiteren, mittlerweile illusionslosen Inaugenscheinnahme. Froh bin ich, dass sich der Tankdeckel nicht verschließen lässt, denn so bekomme ich ihn wenigstens auf. Für einen kurzen unpässlichen Moment habe ich jedoch in Gedanken das Bild vor Augen, wie jugendliche Randalierer sich mit Zuckertütchen am Tank meines P5B zu schaffen machen. Den Verschlußhebel des Tankdeckels (versteckt im Kofferraum untergebracht) habe ich erst nach Tagen gefunden, zu meiner Beruhigung und eher zufällig auf der Suche nach (fehlendem) Bordwerkzeug. Das Befüllen des Tankes selbst ist eine zutiefst weihevolle Tätigkeit beim P5B. Die Zuleitung zum Tank ist mit einem so geringen Gefälle ausgestattet, dass man den teuren Trunk nur schluckweise verabreichen kann, wenn man vermeiden will, dass der Rover sich beim Trinken verschluckt und einem den schönen Sprit auf das Sacko hustet. Ich halte diese Eigenart, die zum maßvoll bedächtigen Betanken einlädt, aber durchaus für angemessen und geradezu respektabel, angesichts der unverschämten Benzinpreise.
 
Die Fahrt von Rotterdam nach Hause - ein Kinderspiel im Vergleich zu dem Abenteuer, das hinter mir liegt. Zuhause angekommen, nehme ich sofort Kontakt mit Herrn Luck auf. Er versichert mir bei unserem kurzfristig ver einbarten Treffen, das größte Abenteuer stehe mir noch bevor: die Restaurierung meines P5B Coupé ... .
 
Mittlerweile ist auch noch der Gaszug gerissen, und das linke vordere Ausstellfenster hat sich von seiner unteren Verankerung verabschiedet. Ein zuverlässiger Zweitwagen und die Mitgliedschaft in einem großen deutschen Automobilclub erweisen sich mehr und mehr nicht als überflüssiger Luxus. Dafür hat sich in der Zwischenzeit erfreulicherweise herausgestellt, dass mein P5B fünf Jahre jünger ist als in England registriert: Aus Gründen der Steuerbefreiung hatte man dort ohne Zögern das Baujahr durch einen einfachen Trick, für dessen Weitergabe ich viel Geld verlange, um fünf Jahre zurückgesetzt. Man mag einwenden, dass es nicht gerade sehr gentleman- like sei, eine Lady schlankerhand um fünf Jahre künstlich zu altern. Aber schließlich muß man auch als P5B manchmal Opfer bringen - vor allem, wenn es um die Steuer geht. Erstaunlicherweise hatte man im Zuge dieser liebenswerten Manipulation in dem V5-Document unbemerkt aus dem "Coupé" einen "Saloon" gemacht! Offenbar sind nicht nur der deutsche TÜV, sondern auch die Ladies und Gentlemen bei der DVLA (der englischen Zulassungsbehörde) liebenswert überfordert, wenn es um solche Wagen geht.
 
Nun lerne ich im Laufe der Zeit meinen P5B mit aufrichtiger Hingabe immer besser kennen. Ich putze hier und da ein wenig (oder mehr), poliere mit aus teuren Tuben und Tiegeln getränkter Polierwatte auf Chrom, Silver Birch und Bordeaux Red herum, ziehe dort eben mal ein loses Schräubchen fest und lupfe vorsichtig hier und da einmal dieses oder jenes Teil - was man eben als enthusiastischer Laie erst einmal so alles macht. Um die Türdichtungen muß ich mich auch noch kümmern. Havenīt got around to them yet. Aber ich bin mir sicher: This is the beginning of a great love affair....
 
Text: Uwe Rössler
 
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