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| Roverdrive 2 / 2004 | |||
| Durch die Pyrenäen | |||
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Heft 1/2004 Heft 2/2004 |
Auf Wegen, die einer allein nicht so leicht findet 21. - 30. Juni 2004
Schon
lange hatte ich die Idee, einmal längs durch die Pyrenäen zu fahren,
also vom Mittelmeer zum Atlantik oder umgekehrt. Da lag es nahe, mich auf
die Ausfahrt einzulassen, die Lothar Ditter in einem der letzten Roverdrive Magazine als "Pyrenäen- und Rioja- Rallye" inserierte. Das Angebot
gefiel mir, hatte ich doch nichts mit Planung, Quartierbeschaffung
u.ä. zu tun, sondern nur meine 20-jährige SD1 Vitesse
fahrtüchtig und streckentauglich zu machen.Man traf sich in einer überschaubaren Gruppe von 5 Fahrzeugen in der Hotelanlage Village Catalan südlich von Perpignan. Hier zeigten Lothar Ditter und seine Lebensgefährtin Heidrun Fautz ihre große Erfahrung in der bis ins kleinste vorbereiteten Organisation: für jedes Fahrzeug gab es ein Rallye-Schild mit Nummer - so wurde ich mit Nummer 5 ans Ende gesetzt und beauftragt, für einen guten Überblick mit Licht zu fahren. Ein
Roadbook mit 2 Michelin-Karten, in denen die Fahrstrecke eingetragen
war, diverse Prospekte und eine Picknick-Ausstattung
mit Vesperbrett, Weinglas und scharfem Messer und zu guter
Letzt - für den, der das Messer verkehrt herum handhabt - eine Packung
Heftpflaster. Von den Pfefferminztabletten, den Erfrischungstüchern, der
Bein-Lotion und dem Tuch gegen Insektenstiche will ich gar nicht lange reden.
Vielleicht, nach dem Motto "Doppelt genäht hält besser", hat der Veranstalter
sein Fahrzeug mit zwei unterschiedlichen Navis ausgerüstet, die auch
prompt unterschiedliche Anweisungen gaben, was wiederum zu manchem
ungewollten Umweg führte. Das angepeilte Ziel aber erreichten wir immer.Die Route führte am 1. Tag durch das Tal der Têt, über La Vella/Andorra nach Seo de Urgel, weitere Tagesziele waren Vielha, Bielsa, Sos del Rey Catolico, Puente la Reina, St. Millàn de la Cogolla, St. Domingo de la Calzada und zuletzt Haro - also eine Strecke von Katalonien durch die Regionen Aragón und Navarra ins Rioja-Gebiet, durch Orte, die nicht auf jeder Karte zu finden sind. Dementsprechend vielfältig waren die Begegnungen mit der Abgeschiedenheit und ländlichen Idylle des Hochgebirges. Mit buntem und geschäftigem Treiben der Städte; mit grünen schattigen, auch fruchtbaren breiten Tälern und mit schroffen, felsigen Schluchten, mit Orten, die zu Sportarten und Aktivitäten in freier Natur einladen; mit malerischen Altstädten und neuzeitlichenBastionen; mit Zeugnissen römischer, maurischer und christlicher Baukunst und nicht zuletzt mit weiten, leicht hügeligen Ebenen, auf denen Weizen und Wein nebeneinander gedeihen. Jeder wird sich noch an den
strengen, selbst die Kuhfladen überlagernden Geruch der gelben Ginsterhänge
auf den Almen erinnern. Beeindruckend waren die Abstecher ins Hinterland,
so der Besuch bei Teresa Prat und ihrem Schoßhündchen zum 2. Frühstück
bzw. die Fahrt durch den Canon de Aniscola, die im Restaurant "Casa
Lisa" in Buerba mit einem kühlen Schluck belohnt wurde.Geselligkeit stellte sich in der Gruppe auch schnell ein, weil alle Teilnehmer aufgeschlossen waren und sich an "allen Taten und Untaten" mit großem Engagement beteiligten. So traf man sich vor dem Abendessen völlig ungezwungen an der Hotelbar, um die Ereignisse des Tages Revue passieren zu lassen. Dabei lud der eine zum Genuss eines leckeren Manchego - Käses, der andere zu einem Glas vorzüglichen Weines oder Sektes ein. An "Peter und Paul" ließen
sich zwei Peter und ein Klaus-Peter dazu
animieren, zum ersten Mal in ihrem Leben
ihren Namenstag zu begehen, und
zur "Batalla del Vino" besorgten sich zwei
gestandene Teilnehmer wie zwei kleine Buben Pumpspritzpistolen - mit
1 l Rotwein gefüllt -, um in Weiß gekleidet und mit rotem Halstuch und
roter Schärpe als gut gerüstete "Weinkämpfer" aufzutreten - kurz, jeder
brachte sich auf seine Weise in die Runde ein.Ein Erlebnis besonderer Art war jedes Mal die Übernachtung in den verschiedenen "Paradores" - Hotels - einer Gruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, erhaltenswerte Gebäude mit großem Einfühlungsvermögen zu sanieren und mit Verpflichtung der Umwelt gegenüber zu führen. So ist man in Stadtmitte, im Kloster, im Adelshaus oder im Naturschutzgebiet stets äußerst komfortabel und doch typisch und entsprechend der Umgebung untergebracht.
Da wir an den letzten Tagen teilweise auf dem Jakobsweg fuhren, begegneten
wir vielen Pilgern und eiferten ihnen nach: wir überquerten in Puente la
Reina, die fünfbogige Brücke über den Rio Arga, tranken in Irache vom Pilgerbrunnen
Wasser und roten Wein und kauften in der Bäckerei "Jesus" süße
Teilchen zur Stärkung, mussten dann aber leider, obwohl mit Jakobsmuschel
und Wanderstab ausgerüstet, vor der Pilgeretappe von Santo Domingo nach
Belorado wegen zu großer Hitze passen.Von großem Vorteil zeigte sich in vielen Fällen die Begleitung durch unseren Dolmetscher Klaus, sei es an der Hotelrezeption zum Aushandeln der Garagengebühren, im Restaurant zum Finden des passenden Tischweins oder in meinem Fall, als ich gleich am dritten Tag wegen eines undichten Benzinschlauchs nach Seo de Urgel zurück in eine Werkstatt fahren musste. Klaus nahm sich meiner an, er fand die passende - was sag' ich: die richtige - Werkstatt, die eben auch gleich ein zweites altersschwaches Schlauchstück auswechselte, und zwei Stunden später hatten wir die Gruppe wieder eingeholt - über Zeichensprache hätte es bei mir sicher länger gedauert!
Es war nicht eine Rallye, gespickt mit sportlichen Anforderungen an die Fahrkünste
des Einzelnen, sondern eine gesellige Ausfahrt, auf das Sorgfältigste
geplant und vorbereitet. Wir brauchten nur hinter Heidrun und Lothar her zu
fahren und konnten alles Neue und Fremde entspannt genießen - so kann
eine Strecke von mehr als tausend Kilometern zur Erholung werden.
Text und Fotos: Peter Kiefer Nach oben | |
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