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Roverdrive 1 / 2004
Ein P6 in Kabul
Presse
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Roverdrive
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Total normal: Straßenverkehr in Kabul.
 
Ab Mitte des Jahres 2002 hatte mich meine Dienststelle für einige Monate nach Afghanistan geschickt. Nach dem Krieg und dem Ende der Taliban- Herrschaft war in den Straßen von Kabul fast schon wieder Normalität eingekehrt, wenn man davon absieht, daß ein großer Teil der Stadt immer noch in Trümmern lag und eine gewisse Spannung vielfach noch mit den Händen zu greifen war. Das Verkehrsaufkommen war allerdings wie in jeder anderen Großstadt - nur wesentlich chaotischer. Alles was noch auf irgendeine wundersame Weise fahrbereit gemacht worden war, wuselte rußend und total überladen durcheinander. Weit entfernt davon, jemals auch nur in die Nähe eines TÜV gekommen zu sein, schlingerten PKW und uralte russische LKW auf Kursen über die schlaglochübersäten Straßen, die nur Allah ihren Lenkern eingegeben haben konnte.
 
Auf einer unserer Fahrten durch das Gewühl hatte ich plötzlich das Gefühl, am Straßenrand etwas Bekanntes gesehen zu haben -den ersten und einzigen P6! Bremsen und zurücksetzen war die einzige Reaktion darauf. Am Straßenrand stand er; es blieb ihm auch nichts anderes übrig - ohne Räder und schon ein wenig über die Achsen in den Boden gesunken, aber unverkennbar ein P6. Aller Innereien beraubt war ihm nun die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, als Lagerraum für Öl und Ersatzteile zu dienen. Sein Besitzer betrieb nämlich an der Straße eine Autoreparaturwerkstatt. Der Platz war gut gewählt, denn die breite Betonrinne neben der Straße war als Grube einfach ideal. Nach Austausch der üblichen Freundlichkeiten stellten sich aber gravierende Verständigungsschwierigkeiten heraus und ich beschloß, mit einem Dolmetscher zurückzukommen, um Einzelheiten über den Rover zu erfahren. Nach einigen Fotos von P6 und Besitzer verließen wir den Platz, an dem es mittlerweile einen kleinen Menschenauflauf gegeben hatte - da interessierte sich doch offensichtlich ein Verrückter für so ein Autowrack!
 

Der P6 mit seinem stolzen Besitzer.
 
Am nächsten Tag war ich mit unserem Dolmetscher wieder zur Stelle und der nette Kfz-Meister war gerne bereit, über das Standzeug zu reden. Der Wagen war wohl mit einem britischen Diplomaten nach Kabul gekommen, von diesem verkauft und dann als Taxi genutzt worden - daher auch der spätere gelb-weiße Anstrich. Irgendwann kam er in die Hände des jetzigen Besitzers, der ihn ebenfalls als Taxi einsetzte. Als der originale Vierzylindermotor seinen Geist aufgab, wurde ein japanischer Sechszylinder eingebaut und der P 6 so lange gefahren, bis er endgültig nicht mehr zu reparieren und nur noch stationären Aufgaben gewachsen war.
 
Leider ließ sich an keiner Stelle mehr ein Typenschild oder eine Fahrgestellnummer finden, die vielleicht noch mehr Licht in das Dunkel der Fahrzeuggeschichte hätte bringen können. Als Dank für die Unterstützung erhielt der Besitzer eines der am Vortag geschossenen Fotos, das mit großer Freude bei den Umstehenden herumgezeigt wurde.
 
Vielleicht findet sich ja noch ein echter Rover-Fan, der bereit ist, diesem asiatischen P6 wieder neues Leben einzuhauchen - ich teile ihm gerne den genauen Standort mit.
 
Text und Fotos: Reinhard Stadthaus
 
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