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| Roverdrive > Jahrgang 2004 > Heft 1 > Restaurierung 14 hp von 1936 | Auswahl | Ende |
| Roverdrive 1 / 2004 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Restaurierung eines Rover 14 hp von 1936 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Presse Div. Artikel Roverdrive Gesamtindex Jahrgang 2002 Jahrgang 2003 Jahrgang 2004 Jahrgang 2005 Jahrgang 2006 Jahrgang 2007 Jahrgang 2008 |
Heft 1/2004 Heft 2/2004 |
Teil 1
![]() Der 14 hp vor Beginn der Restaurierungsarbeiten Harald Brombas ist ein Mensch, der sich mit vielen Dingen beschäftigt - am liebsten aber mit alter Technik. Konstrukteur und seit 1997 im Ruhestand, sind für ihn Begriffe wie Problemanalyse und Problemlösung keine Fremdworte. So ist es auch nicht verwunderlich, daß in seiner Garage ein ROVER 14 hp langsam aber sicher der Vollendung einer Totalrestaurierung entgegengeht.
Harald Brombas, der stolze BesitzerRoverdrive möchte seinen Lesern gerne die Geschichte des Fahrzeugs nahe bringen, den augenblicklichen Zustand beschreiben und in Fortsetzung über die weiteren Schritte bis zur Fertigstellung berichten. Während eines längeren beruflichen Aufenthalts der Familie Brombas in England ereilt einen Bekannten in Essex ein schlimmes Schicksal: beim Umzug in ein anderes Haus hat dessen Ehefrau darauf bestanden, daß es keine Garage haben dürfe und Dauerschrauben am alten ROVER ab sofort Tabu sei. Das heißt Trennung vom geliebten Spielzeug. Das geschieht im Jahr 1985 und Harald Brombas entschließt sich nach nur kurzem Zögern, den Wagen mit auf den Kontinent zu nehmen. Bei einem Preis von 2.000 £ wird man sich handelseinig und bei Rückkehr nach Deutschland gehört der P1 zum Umzugsgut (die Bezeichnungen "P1" und "P2" wurden übrigens von ROVER nicht verwendet; erst nach dem 2. Weltkrieg taucht mit "P3" die bekannte Projektnummerierung auf). Aber beginnen wir 1936. Am 20. Januar stirbt King Georg V. im Alter von 70 Jahren; Nachfolger wird sein ältester Sohn, der als Edward VIII. aber schon im Dezember desselben Jahres wegen seiner Heirat mit einer Amerikanerin auf den Thron verzichtet und von Albert of York als George VI. abgelöst wird. Der Rennfahrer Rudolf Caracciola gewinnt am 13. April auf Mercedes-Benz den Großen Preis von Monte Carlo und am 19. Juni besiegt Max Schmeling in New York Joe Louis durch K.o. in der zwölften Runde. Am 30. November schließlich wird durch einen Brand der 1851 erbaute Kristallpalast in London vernichtet. 1936 ist aber auch das Jahr, in dem ROVER erstmalig mit dem Slogan "One of Britain's Fine Cars" wirbt. Das muß wohl auch William Anderson beeindruckt haben, denn er entscheidet sich zum Kauf eines 14 hp. Der Wagen seiner Wahl wird in einem hellen Blau ausgeliefert, innen glänzen dunkelblaue Ledersitze und bei gutem Wetter kann das große Schiebedach geöffnet werden. Versehen mit dem Kennzeichen DHK 595 wird das Fahrzeug am 24.03.1936 durch das Essex County Council Licensing Department, County Hall, Chelmsford, registriert. Wir können annehmen, daß Mr. Anderson nach sorgfältigem Studium der Gebrauchsanweisung den Tank gefüllt, die Zentralschmierung betätigt und seine Familie zu einer Probefahrt eingeladen hat. Nach London ist es zwar nur ein Katzensprung, aber mit dem neuen Wagen wird man wohl eher über Land an die Küste gefahren sein, vielleicht nach Clacton-on-Sea zu einer Tasse Tee in einem Café an der Promenade. Wir wissen nicht, was William Anderson bewogen hat, nach etlichen Jahren den Wagen zu verkaufen - vielleicht hatte er sich ja in ein aktuelles ROVER- Modell verliebt - Tatsache ist, daß DHK 595 von 1936 bis 1985 sechs verschiedene Halter hatte. Bis der 14 hp in den Besitz von Harald Brombas kommt, hat er sich verändert: Karosserie und Speichenräder sind nun weiß lackiert und Kotflügel, Trittbretter, Reserveradabdeckung und Lüftungsschlitze an der Motorhaube dunkelbraun abgesetzt, wie auch der Profilstreifen unterhalb des Heckfensters, der nach vorn unterhalb der Seitenfenster bis zur A-Säule weitergeführt ist. Die Zentralschmierung ist außer Betrieb gesetzt und die entsprechenden Anschlüsse mit Schmiernippeln versehen. Die Ledersitze und Türtafeln sind mit einem braun melierten Velourstoff überzogen und das Schiebedach ist unter einem Kunstlederüberzug, der das ganze Dach überspannt, verschwunden. Aber auch in diesem Zustand macht der Saloon einen guten Eindruck.
1985 in Deutschland angekommen, wird der Wagen zunächst in Köln- Mülheim untergestellt, bis Harald Brombas eine zusätzliche Garage zuhause in Köln-Pesch gebaut hat. In all den Jahren bewegt der neue Eigentümer das Auto selbst nur zweimal: bei seiner Ankunft von der Spedition nach Mülheim und nach langer Standzeit von Mülheim nach Pesch. Bei dieser zweiten Fahrt bleibt der 14 hp auch gleich liegen, weil es einen der Froststopfen am Motor herausgedrückt hat und das Kühlwasser seinen Weg ins Freie sucht. Nach der Reparatur läuft DHK 595 wieder klaglos; Freunde der Familie Brombas leihen sich den ROVER und setzen ihn mit roter Nummer bei kleinen Ausfahrten und bei einer Hochzeit ein. Im Jahr 1995 gibt es einige Stellen am Fahrzeug, die Harald Brombas veranlassen, sie einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Was er dabei feststellt, ist nicht gerade erfreulich, aber beim Alter des ROVER auch nicht erstaunlich. Im Verborgenen hat sich der Rost eingenistet, Holzteile sind wurmstichig oder durch stehende Nässe verrottet, andere Teile durch Bewegung ermüdet und ausgeschlagen. Es erhebt sich nun die Frage des weiteren Vorgehens - sollen die gefundenen Schwachstellen restauriert und erneuert werden, oder empfiehlt sich eine Radikalkur. Harald Brombas entschließt sich, eine Totalrestaurierung in Angriff zu nehmen. Da er ohnehin schon beim Kauf den Gedanken hatte, sich nach Eintritt in den Ruhestand eingehender mit dem Wagen zu beschäftigen, folgt jetzt die Umsetzung in die Tat. ![]() Verfall an den Holzteilen der Türen. DHK 595 wird in seine Einzelteile zerlegt - in ALLE. Wie nicht anders zu erwarten, kommen im Laufe der Zeit eine ganze Menge unschöner Dinge zum Vorschein, die bisher vom ansprechenden Äußeren verborgen geblieben waren. Ein großer Teil der Holzteile ist mehr oder minder stark angegriffen und kommt auf den Müll, der Rest wird aufgearbeitet. Auf der Techno Classica in Essen wird ein Ungar gefunden, der anhand der noch vorhandenen Reste das komplizierte Holzteil im linken hinteren Radkasten fertigen will. Sechs Monate vergehen, dann meldet sich der Mann und teilt mit, nach längerer Krankheit nun das Problem in Angriff zu nehmen. Unter den Stoffbezügen kamen die originalen Ledersitze zum Vorschein.Nach einem weiteren halben Jahr kommt die sehnsüchtig erwartete Nachricht, daß das Teil fertig ist und einem bekannten Lkw-Fahrer auf seiner Tour nach Frankfurt mitgegeben wird. Harald Brombas fährt nach Frankfurt und nimmt das gute Stück in Empfang. Was er kaum erhofft hat: es lässt sich perfekt einpassen. - Man muß eben nur ein wenig Geduld haben. Eine ähnliche Odyssee erlebt das Lenkrad. Es ist aus Aluminium gefertigt und der Kranz besteht aus zwei Halbschalen. Nach einem mißglückten Restaurierungsversuch in Deutschland erinnert sich Harald Brombas an alte Kontakte in England. Ein Fachmann will sich der Sache annehmen und da beide im spanischen Valencia zu tun haben, trifft man sich dort zur Lenkradübergabe. Das renovierte Teil wird dann einige Zeit später vom Besitzer bei einem Aufenthalt in England abgeholt. Es hat sich gelohnt - das Lenkrad sieht aus wie neu. Diese Geduld zahlt sich auch bei der Überarbeitung der unzähligen Metallteile aus. Der Kastenrahmen erweist sich zum Glück als unbeschädigt und kann sandgestrahlt und frisch lackiert bald einige der überholten Teile wieder aufnehmen. Ganz nebenbei wird - gelernt ist gelernt - noch eine "Englische Presse" zur Blechbearbeitung nach altem Vorbild konstruiert. Die Speichenräder werden nach gründlicher Vorarbeit tauchverzinkt. ![]() Überarbeiteter Rahmen und Vorderachse. Eigenbau: "Englische Presse".Zum jetzigen Zeitpunkt steht der ROVER wieder auf eigenen Rädern, die Rohkarosserie ist auf den Rahmen gesetzt, die Kotflügel sind angebaut. Das Armaturenbrett und die hölzernen Rahmen von Türen und Frontscheibe sind eingepasst. Motor und Getriebe sind zerlegt. Etliche Teile, wie die Federkerne und Rahmen der Sitze sind noch in Bearbeitung. Der 14 hp soll wieder sein Schiebedach erhalten - über die mechanische Verwirklichung besteht aber noch keine Klarheit. Sitze und Türverkleidung werden allerdings nicht wieder in dem ursprünglich blauen Leder ausgeführt, es wird ein Stoff gewählt, der farblich zur späteren Außenlackierung passen soll. Roverdrive wird am Ball bleiben und über den Fortgang der Arbeiten berichten. Übrigens, was ich nicht vergessen sollte zu erwähnen: DHK 595 und unser Präsident werden gemeinsam 70 Jahre alt. Zu diesem freudigen Ereignis will Harald Brombas im Frühjahr 2006 seine Arbeit beendet haben und Manfred Hemmersbach auf eine Geburtstagsausfahrt mitnehmen!
![]() Der 14 hp im aktuellen Zustand. Text und Fotos: Reinhard Stadthaus Nach oben | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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