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Roverdrive 1 / 2004
100 Jahre Rover - der 8 hp von 1904
Presse
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Roverdrive
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Der erste vierrädrige ROVER: Modell 8 hp von 1904
 
Nachdem seit 1861 die Vorläufer der Firma Rover ihr Geld mit Nähmaschinen, Lauf- und Hochrädern verdient hatten, erscheint 1884 erstmals ein Produkt mit dem Namen "Rover" auf der Bildfläche: ein mit Händen und Füßen angetriebenes Dreirad.
 
Ein Jahr später wird das "Rover Safety Bicycle" auf den Markt gebracht; ein Fahrrad mit zwei gleich großen Rädern, Tretkurbel und Kettenantrieb zum Hinterrad - eine Revolution im Fahrradbau! 1896 in "Rover Cycle Company" umgewandelt, entschließt sich die Firma 1901 zum Bau von Motorfahrzeugen. Das angebotene Motordreirad wird von einem Fremdfabrikat mit 2 1/4 bhp angetrieben und wird unter dem Namen "Imperial Rover" angeboten.
 

Der Rover 8 hp von 1904
 
Ende 1903 wagt man den entscheidenden Schritt zur Entwicklung eines leichten Motorwagens. Edmund W. Lewis, der schon bei Daimler am Bau von Motorwagen beteiligt war, wird als Chefingenieur eingestellt.
 
Das erste Rover-Automobil wird 1904 vorgestellt: der Rover 8 hp. Es ist kein Lizenzbau - dieser Wagen wird in allen Teilen von Rover entwickelt und gefertigt.
 
Schon dieses erste Modell zeigt einige revolutionäre technische Besonderheiten. So besitzt der Wagen ein tragendes Rahmen- Zentralrohr durch das die Kardanwelle geführt wird; das Dreigang-Getriebe ist in den Rahmen integriert und weitere Teile aus Aluminiumguß vervollständigen den Karosserie-Unterboden.
 

Das Fahrgestell mit dem Zentralrohr
 
Interessant ist die Lösung, die Lewis findet, um den 8 hp zu verzögern. Mittels eines Fußpedals kann auf die Nockenwelle eingewirkt werden; diese verschiebt sich so, daß zusätzliche Nocken die Ventile verschließen. Die Kolben komprimieren nun die im geschlossenen Zylinder befindliche Luft und werden in ihrer Bewegung gehemmt. Diese Bremswirkung überträgt sich über Kurbelwelle und Kardanwelle auf die Hinterachse. Im Vergleich zu vielen anderen zeitgenössischen Fahrzeugen, die mit äußerst dürftigen Bremsen ausgestattet sind, ist dieses System zwar ungewöhnlich, aber sehr wirkungsvoll.
 
Der Rest ist allerdings weniger fortschrittlich: große Teile der Karosserie bestehen aus Holz, Motorhaube und Kotflügel aus Stahlblech. Die Federung der Vorderachse übernimmt eine halbelliptische Querblattfeder; die Federung hinten - Rahmenende mit Hinterachse - wird von zwei Längsblattfedern sichergestellt. Große ungefederte Massen machen so den 8 hp nicht gerade zu einem Komfortwagen.
 
Der Einzylindermotor: Ein- und Auslaß befinden sich auf einer Seite, der breite Riemen treibt den Ventilator an, die Kette den Magnetzünder.
 
Der Antrieb erfolgt durch einen wassergekühlten Einzylinder mit 1.326 ccm Hubraum. Die atemberaubende Höchstgeschwindigkeit beträgt 38 km/h. Um seine Kraft auf den Boden zu bringen, wird der 8 hp sowohl mit Holz- als auch mit Drahtspeichenrädern ausgeliefert.
 
Modellpflegemaßnahmen verändern im Laufe der Jahre nicht nur das äußere Erscheinungsbild des 8 hp; auch technische Veränderungen sorgen für eine Anpassung an gestiegene Bedürfnisse:
1908 wird das Getriebe auf die rechte Motorseite verlegt; der Schalthebel befindet sich nun an der rechten Fahrzeugaußenseite.
Die Seitenansicht des Wagens verändert sich durch geschlossene Vorderkotflügel, durchgehende Trittbretter und Verkleidung zwischen diesen und der Karosserie; das Heck fällt nicht mehr schräg ab und bietet dadurch mehr Stauraum.
 
Ein 8 hp von 1904 (links) und ein 8 hp von 1905 (rechts).


1910 erscheint eine elegante offene Karosserieversion mit bequemen, seitlich abgerundeten Sitzen. Lederriemen, die beidseitig der Motorhaube befestigt zur Oberkante der Frontscheibe führen, stabilisieren die Scheibe und das geschlossene Verdeck.
1911 wird für den 8 hp wahlweise auch ein Knight-Schiebermotor angeboten. Leider sind keine weiteren Einzelheiten über diesen Antrieb bekannt.
 
Für die Zuverlässigkeit schon der frühen Rover-Motoren spricht die Reise eines gewissen Dr. Jefferson, der im Jahre 1906 mit einem 8 hp eine sicher beschwerliche und abenteuerliche Fahrt von London nach Istanbul unternahm.
 
Der Eindruck von Stabilität und Belastbarkeit, den die verwendeten Aluminiumgussteile vermitteln, wird allerdings im laufenden Betrieb enttäuscht.
Es zeigen sich Ermüdungserscheinungen und Risse, hervorgerufen durch hohe mechanische Beanspruchung, die bis zum Bruch einzelner Teile führen können.
 
Der Mut, fortschrittliche Ideen im Automobilbau zu verwirklichen hat sich somit bei Rover schon sehr früh gezeigt, auch wenn Lewis sich entschließt, ab 1906 das auf dem 8 hp basierende Model 6 hp anzubieten; dieser Wagen ist leichter und die Beanspruchung der einzelnen Bauteile daher geringer.
Im selben Jahr steht mit dem 10-12 hp für die Kunden der erste Vierzylinder zum Verkauf.
Der 8 hp bleibt aber weiterhin im Programm; seine Produktion läuft erst im Jahre 1912 aus.
 

Späte Ausführung eines 8 hp mitzur Karosserie hin geschlossenen Kotflügeln, Schaltkulisse an der rechten Fahrzeugseite, waagerechtem Heck und geschwungener Vorderachse.
 
Über die Preise des 8 hp ist folgendes bekannt:
1905 kostet das Chassis 120 Pfund, der Zweisitzer 200 und der Dreisitzer 220 Pfund. Das Exportmodell für 225 Pfund besitzt für den Einsatz in den Kolonien ein verstärktes Chassis und hat eine größere Bodenfreiheit als die Modelle für den heimischen Markt.
1912 sind für das Modell ohne Frontscheibe und Verdeck 250 Pfund zu zahlen; für einen Zweisitzer werden 265 Pfund berechnet.
 
Technische Daten
Typ: ROVER 8 hp
Bauzeit: 1904 - 1912
Motor: 1-Zylinder mit seitengesteuerten Ventilen, wassergekühlt
Bohrung/Hub: 114 x 130 mm, 1.326 ccm
Leistung: 8,1 hp bei 900 U/min
ab 1911: wahlweise Knight-Schiebermotor (Einzelheiten sind nicht bekannt)
Getriebe: Dreigang-Schaltgetriebe
Übersetzung: 4,1 : 1 im dritten Gang
Länge: zwischen 2.591 und 3.048 mm
Breite: zwischen 1.422 und 1.448 mm
Radstand: zwischen 1.981 und 2.134 mm
Spur: zwischen 1.219 und 1.245 mm
Vorderachse: starr, Querblattfeder
Hinterachse: starr, Längsblattfedern
Gewicht: 457 kg



Herstellerangabe und Fahrzeugnummer eines Rover von 1907.
 
Text: Peter Michael Börsig, Reinhard Stadthaus
Fotos: British Leyland, VCC, Reinhard Stadthaus

 
Chronik des Jahres 1904
 
Januar: In den deutschen Afrikakolonien kommt es zu Aufständen der Herero und Hottentotten.
 
Februar: Als Verhandlungen über das Vorgehen in Korea und der Mandschurei scheitern, bricht der russischjapanische Krieg aus. Die Japaner greifen am 8. und 9.02. den russischen Kriegshafen Port Arthur erfolgreich mit Schnellbooten an. Rußland setzt seine Ostseeflotte in Marsch. Deutschland versorgt den Flottenverband mit Kohle und Waffen; darauf droht England Deutschland mit Krieg. Als die Russen unterwegs britische Fischerboote beschießen, kommt es zum "Doggerbank-Zwischenfall".
 
April: Am 6.04. wird in Ebing/Würtemberg Kurt Georg Kiesinger geboren; Rechts-und Staatswissenschaftler, CDU- Politiker und von 1966-69 Bundeskanzler. Kiesinger stirbt am 09.03.1988 in Tübingen.
Die "Entente Cordiale" 8.04.) - Bündnispolitik Frankreichs mit Großbritannien und Spanien -grenzt die gegenseitigen Kolonialinteressen ab und sichert Frankreichs Einfluß in Marokko und Tunesien sowie britische Interessen in Ägypten.
Die Transsibirische Eisenbahn wird fertiggestellt.
Am Donnerstag, den 14.04. wird in London (später Sir) Arthur John Gielgud geboren; Schauspieler, meisterhafter Shakespeare-Interpret (er spielt den Hamlet mehr als 500 Mal), Regisseur und Theaterleiter. Er stirbt am 20.05.2000 in Oxford.
In St. Louis wird am 30.04. die 14. Weltausstellung eröffnet. Auf einer Fläche von fast 500 Hektar präsentieren sich neben den einzelnen Bundesstaaten der USA 35 Nationen. Hauptattraktionen sind die neuesten technischen Errungenschaften auf den Gebieten des Automobilbaus, der Luftfahrt und der Telegraphie.
 
Mai: In Gelsenkirchen wird am 4.05. der Fußballverein Westfalia Schalke, später FC Schalke 04, gegründet.
In Spanien erblickt am 11.05. Salvador Felipe Jacinto Dali das Licht der Welt. Nach einer großartigen Künstlerkarriere stirbt der Surrealist am 23.01.1989 in seinem Museum in Figueres.
Sieben nationale Fußball-Verbände aus Europa gründen am 21.05. in Paris den Weltverband Fédération Internationale de Footbal Association (FIFA). England, das "Mutterland des Fußballs", beteiligt sich nicht an der Initiative des Franzosen Robert Guérin, der zum ersten Präsidenten des Weltverbandes gewählt wird. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) beschließt am 29. Mai den Beitritt zur FIFA.
 
Juni: Durch Beimischung von Ruß wird die Haltbarkeit von Gummi gesteigert; was natürlich auch die Farbe der Autoreifen verändert.
 
Juli: In der Zeit vom 1.07. -23.11. finden in St. Louis die II. Olympischen Sommerspiele statt. Wie schon vier Jahre zuvor in Paris sind sie lediglich ein kaum beachtetes Anhängsel der Weltausstellung. Unter den 617 Teilnehmern sind 533 Amerikaner.
Am 21.07. fährt der Belgier Louis Rignolly in Oostende/ Belgien mit einem 13,5-Liter Gobron-Brillié (Boulognesur- Seine, Frankreich, 1898-1930) erstmals schneller als 100 Meilen pro Stunde.
 
August: Am 3.08. besetzt eine britische Militärexpedition die tibetische Hauptstadt Lhasa. Großbritannien unterwirft damit das unter chinesischer Oberhoheit stehende Protektorat seiner Kontrolle. Tibet akzeptiert die Öffnung seiner Grenzen für britische Handelsgüter.
Die im Januar in Deutsch-Südwestafrika begonnenen Unruhen werden von deutschen Truppen niedergeschlagen; es kommt zu einem Massensterben der in die Kalahari getriebenen Aufständischen.
 
November: Bei den Präsidentschaftswahlen in den USA wird Theodore Roosevelt mit dem bis dahin besten Ergebnis am 8.11. im Amt bestätigt.
 
Außer bei ROVER begann im Jahr 1904 in Großbritannien bei folgenden Herstellern die Automobilproduktion:
 
Calthorpe (bis 1932), Crawshay-Williams (bis 1906), Crossley (bis 1937), Globe (bis 1906), Heron (bis 1905), Iden (bis 1908), Phoenix (bis 1927), Portland (Produktion endete noch 1904), Rolls Royce, Rothwell (bis 1916), Scout (bis 1920), Sheffield-Simplex (bis 1927), Siddeley (bis 1919), Speedwell (bis 1908), Swift (bis 1931), Talbot (bis 1938; danach Sunbeam-Talbot), Thornycroft (bis 1913), Whitlock-Aster (bis 1906).
 
Selbst bei längerer Produktionszeit sind viele der aufgeführten Firmennamen nur noch wenigen Kennern bekannt.
 
Somit ist Rolls-Royce neben ROVER der einzige britische Automobilbauer, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern kann - Gratulation!
 
Text und Fotos: Reinhard Stadthaus
 
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